SEO tötet die Lust am Schreiben
In meiner Arbeit als SEO-Managerin, als Beraterin und in Workshops habe ich immer wieder großes Augenrollen und Abwehr erlebt, wenn es um „SEO-Texte“ ging.
I get it! Aber lass uns das mal anders betrachten.
Was ist SEO, was ist ein SEO-Text? SEO heißt, dass deine Website so aufgestellt ist, dass sie von Suchmaschinen gecrawlt, also technisch und inhaltlich gelesen werden kann, und dann entsprechend bestimmter Suchanfragen eingeordnet werden kann. Dieses Einordnen passiert im Vergleich zu allen anderen Seiten, die diese Suchanfragen auch beantworten können und es bestimmt letztlich, auf welcher Ranking-Position deine Website zu einem bestimmten Keyword landet. Dabei zieht der Crawler alles hinzu, was auf deiner Website steht.
„SEO-Texte“ schreibt man immer dann, wenn man beeinflussen will, zu welchen Keywords oder Themen die Website ranken soll. Hier ist in den meisten Köpfen leider verankert, dass diese Keywords idealerweise im genauen Wortlaut möglichst oft (oder mit einer Keyword-Dichte von 2-3%) im Text auftauchen sollen, dass man das Keyword in H1 und mehreren H2 nutzen soll, dass man durchaus auch mal ein Synonym nutzen kann. Zusätzlich muss das Keyword natürlich auch noch im Title und in der Meta-Description und in den ALT-Texten der Bilder stehen, damit Google auf jeden Fall checkt, für welche Suchanfrage dieser Inhalt relevant ist.
Und genau das killt die Lust am Schreiben und daran, ansprechende, gut lesbare, schöne Texte zu schreiben. Und deshalb fangen die meisten gar nicht erst an zu schreiben.
Fakt ist: deine Website braucht Texte, um gecrawlt und gefunden zu werden. Aber wie kriegt man es hin, dass es Spaß macht?
Ja, kriegt man hin. Ich habe trotz meines SEO-Backgrounds seit Jahren Spaß am Schreiben und fahre damit gute Rankings ein. Und jetzt verrate ich dir mein Geheimnis:
Schreib!
Optimieren kannst du später.
OMG, komplett mindblowing, ich weiß.
Ironie beiseite: fang einfach an, über Themen zu schreiben, die deine Zielgruppe interessieren (könnten). Das weißt du ja idealerweise schon, weil du Kund*innen-Interviews oder -Gespräche führst, weil du gut positioniert bist und weißt, was du anbietest und welches Problem du damit löst. Denk dich einfach mal in die Fragen und Bedürfnisse deiner Zielgruppe rein und frag dich, was sie googeln würden. Und dann schreib den passenden Text dazu ohne über Keywords nachzudenken.
Diesen Text stellst du online und dann wartest du erstmal ein bisschen, lässt den Crawler seine Magic machen und kommst nach ein paar Wochen oder Monaten zurück. Jetzt sollte dein Inhalt nämlich schon Daten darüber liefern, zu welchen Suchbegriffen er eingeordnet wird. Das findest du in der Search Console heraus, indem du dir die Keywords auf URL-Basis anschaust. So sieht das für einen meiner Texte, den ich noch nicht großartig optimiert habe, aus:
Screenshot aus meiner Google Search Console
Da sind jetzt Keywords drin, die ich nicht unbedingt optimieren will, wie z. B. Puffins oder Papageientaucher, weil die Suchintention dafür zu unklar ist (wollen sie Infos, wollen sie welche sehen, wollen sie Bilder angucken?), aber mit dem Rest bin ich ziemlich zufrieden und könnte meinen Text jetzt um einen Abschnitt zum Papageitaucher Vorkommen weltweit und in Island erweitern. Oder ich könnte eine Art „Live Ticker“ für die Frage papageientaucher island aktuell einrichten, den ich dann zum Saisonstart auf: „Ja, sie sind da.“ setzen kann.
So kann ich meinen einfach drauflos geschriebenen Text nach und nach in die Richtung optimieren, für die Google mich schon einsortiert hat und die für die Suchenden interessant ist.
Denk an deine Zielgruppe.
Sonst ziehst du Leute an, die nichts kaufen.
Die Gefahr beim erstmal schreiben, dann kann man optimieren, ist, dass man Texte schreibt, die für die Zielgruppe komplett irrelevant sind. Deshalb denk vorm Schreiben daran, was deine Zielgruppe interessiert und auf welchem Level du sie ansprichst.
Wenn ich Gründer*innen zu ihrer Website berate, macht es keinen Sinn, super technisch über eine fancy GSAP-Integration zu schreiben und wie man sie implementiert. Hier würde ich eher darüber schreiben, welche Wordpress-Plugins von Anfang an installiert sein sollten. Wenn du Life-Coach bist, schreib keinen minutiösen Reisebericht über deine 6-wöchige Spanien-Rundreise, nur weil du unterwegs 20 Minuten mit einer interessanten Person gesprochen hast, die dich inspiriert.
So bekommt man wahrscheinlich guten Traffic, aber wenn das alles Leute sind, für die dein Angebot nicht interessant ist, ist die Arbeit auch irgendwie verschenkt.
Fokussier dich.
Lieber 1 Aspekt ausführlich, als 5 Themen vermischen.
Es gibt einen Satz, der mir seit über 10 Jahren im Kopf klebt:
1 Thema, 1 Keyword, 1 Suchintention, 1 Seite.
Zu welchem deiner Überthemen schreibst du?
Was ist das Detail, auf das du dich konzentrierst?
Warum sucht jemand danach, was möchte die Person finden?
Durch diese Herangehensweise verzettelst du dich innerhalb des Textes nicht. Außerdem vermeidest du Verwirrung bei deinen Leser*innen und der Suchmaschine.
Falls dir beim Schreiben weitere Aspekte einfallen, sind die eine super Basis für weitere Texte, die man untereinander verlinken kann 😏
Ach, und falls du jetzt denkst, deine Texte würden so zu kurz geraten: Lieber in wenigen Worten eine richtig gute Antwort liefern, als in vielen Worten ein schwammiges Ding, bei dem man nachher auch nicht schlauer ist als vorher. Erfahrungsgemäß werden die Texte, in die man sich mit Spaß am Schreiben reinhängt, übrigens länger als man vorher denkt.